The dark side of Blue – Szintilla

Der dritte Beitrag in der Reihe dunkelblaue Bilder zeigt uns Szintilla.
Herzlichen Dank für die freundliche Leihgabe! Ich habe mich sehr gefreut, Dina.🙂

Klausbernd Vollmar schreibt dazu: Huch, sehe ich da einen postmodernen Goethe, die Polarität von Blau und Gelb zelebrierend? Flammend dringt das Licht in die Finsternis ein um der Erkenntnis Willen, die Landschaft erwacht “Es war als hätt`der Himmel/Die Erde still geküsst …” (Eichendorff)

25 thoughts

    • Ja,das finde ich auch.;-)

      Mystisch bringt es Richard Dehmel in

      “Manche Nacht”
      Wenn die Felder sich verdunkeln,
      fühl ich, wird mein Auge heller;
      schon versucht ein Stern zu funkeln,
      und die Grillen wispern schneller….

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  1. Eine lebendige Reise durch die Schattierungen morgendlichen Blaus, immer verbunden mit der Hoffnung auf einen großen, freudigen Tag. Eine sehr spannende Collage.
    LG Michel

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  2. Liebe Dina,
    danke, dass ich die Collage hier präsentieren durfte.
    Klausbernd, danke für den schönen Text dazu.

    Ich freu mich, wenn das Bild gefällt.🙂

    Liebe Grüße an alle, Szintilla

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  3. Liebe Szintilla

    Der blaue Teufel der Melancholie gepaart mit Gelb ergibt eine interessante Perspektive, endlich mal meine Landesfarben statt nur RWB, ich bin hocherfreut!🙂
    Tack sä mycket.🙂
    Viele Grüße an alle aus Schweden
    Buchdame

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  4. Wie lange ich geschlafen habe, dachte er. Gestern war er früh ins Bett gegangen, der Tag war anstrengend gewesen. Wie so oft hatte er in der Zentrale seiner Firma nicht pünktlich Dienstschluss machen können. Fast zwei Überstunden, danach schnell etwas essen, mit der Straßenbahn ins Hotel, noch einmal die Emails checken und schon war er aufs Bett gesunken. Wie spät mag es gewesen sein? Vielleicht kurz nach zehn Uhr. Und jetzt stand die Sonne schon hoch über dem Mainufer, das er vom Bett aus sehen konnte. Wegen dieses Blicks auf den Main nahm er immer, wenn er in der Zentrale zu tun hatte, dieses Zimmer im Hotel “Duval”, obwohl das “Duval” eigentlich ein ziemlich alter Kasten war. Er tastete nach seiner Uhr, die nicht auf dem Nachttisch lag, und fand sein Handy. Viertel nach zehn! Zwölf Stunden hatte er geschlafen. Schöne Stunden. Er konnte sich an nichts erinnern außer daran, das ihm im Traum etwas Schönes, Leichtes widerfahren sein musste, ein Gefühl, das ihm noch jetzt den Blick auf die grünen Mainwiesen und die dicken Quellwolken vor seinem Fenster versüßte.

    Er rief seine Emails ab. Nichts von Bedeutung. Dann machte er – noch im Bett liegend – ein paar Handy-Fotos aus dem Fenster, um diesen Moment frühlingshafter Leichtigkeit festzuhalten. Die Bilder befriedigten ihn nicht. Mit den hohen Lichtkontrasten, stellte er beim Durchblättern fest, war seine Handy-Kamera überfordert. Als er die Aufnahmen wieder gelöscht hatte, fiel ihm auf, dass noch neun Fotos im Speicher waren, alle recht dunkel, ziemlich blau, unscharf. Bei einigen waren seltsame krakelige gelbe Linien zu sehen, vielleicht Lichtspuren, wie sie bei langen Belichtungszeiten entstehen. Eine Straße, ein Baum, nachtblauer Himmel, keine Menschen. Sollte er diese Bilder irgendwann gemacht und dann vergessen haben? Er ließ sich das Aufnahmedatum anzeigen. Die Aufnahmen, da gab es keine Ausnahme, waren in dieser Nacht entstanden, in einem Zeitraum von kaum einer Stunde. Hatte er vor dem Einschlafen noch etwas fotografiert? Unmöglich, in Frankfurt und Umgebung lag jetzt im April längst kein Schnee mehr.

    Unter der Dusche versuchte er, sich an die Landschaft auf den Bildern zu erinnern. Norddeutschland vielleicht, aber selbst da war längst der Frühling eingezogen – mal ganz abgesehen davon, dass er die letzten 14 Stunden im Hotel “Duval” verbracht hatte und nicht auf Reisen. Als er den Schaum an sich herunterlaufen sah, tauchte plötzlich ein Erinnerungsfetzen auf. Autofahrt durch Lettland, tauender Schnee, faszinierendes Nachtlicht, wohliges Schweben im Fast-Dunkel, eine unbekannte Begleiterin, Mit-Schweberin. Genau, das habe ich geträumt, sagte er sich. Dass es unmöglich war, Szenen aus dem Traumleben auf sein Handy zu beamen, war ihm allerdings auch klar.

    Er musste sich beeilen. Sein Termin war zwar erst kurz vor Mittag, aber er sollte heute vor der Regionalleitung den Stand seines Projekts referieren und wusste, dass er das nicht schaffen würde, ohne sich ganz auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Doch so einfach war das nicht. In der Bahn erwischte er sich dabei, wie er mit einer Mischung aus Begeisterung und Verstörung die Handy-Fotos anschaute und dem warmen Gefühl beim Schweben über der tauende Schneedecke nachspürte. Er rief sich zur Ordnung und löschte die Bilder, entschlossen, den Vorfall zu vergessen.

    Kurze Zeit später setzte sich eine Frau neben ihn. Er spürte ihre Wärme und hätte sich fast gegen sie gelehnt, weshalb er sicherheitshalber ein Stückchen von ihr wegrückte. Die Frau nahm ihr Netbook und schaute sich Fotos an. Aus den Augenwinkeln sah er, dass es sich um Aufnahmen handelte, die denen, der er soeben gelöscht hatte, erstaunlich glichen. Er drehte sich etwas herum, um die Fotos besser sehen zu können. Tatsächlich, das hätten seine Bilder sein können. Das gleiche Blau, die gleiche Nacht, der gleiche tauende Schnee. “Schön, nicht wahr?”, sagte die Frau und lächelte ihn an, “ja, so schön ist Lettland! Waren Sie schon mal in der Gegend?”
    Er stand auf und verließ die Straßenbahn, ohne sich noch einmal umzusehen.

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    • Tolle Geschichte, lieber Mätes, hat mir sehr gefallen.
      Liebe Grüße aus dem gerade sonnigen Cley next the sea, aber sonst hat`s schauerlich geschauert, Klausbernd

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    • Er war von Finnland aus mit dem Schiff nach Lettland gefahren. Nachts stand er an der Reling, allein. Er starrte auf das Eis vor der Küste, das der Eisbrecher mit einem Getöse, Krachen und Quietschen zerbrach, in blauen Eisbrei verwandelte. Haushoch oder höher noch spitzten Wasserfontänen und ab zu betätigte einer der russischen Offiziere kurz den Suchscheinwerfer, der gelbe Lichtblitze ins Blaue sandte. Und dann kam ein Frau, erinnerte er sich, als er der Hauptstraße verließ und auf sein Handy schaute, das ihn den Weg bis zu seinem Sitzungsraum weisen wollte. Jetzt erinnerte er sich genauer, die Frau hatte eine Kamera dabei – oder war das von seinem gestressten Unbewussten hinzugefügt?

      Noch als er wohlwollend nichtssagend in dieser Sondersitzung angekündigt wurde, er seine dunkelblaue Krawatte, die mit den gelben Streifen, zurechtrückte, was gar nicht nötig gewesen wäre, dachte er an diese Frau, die als Bild besaß, was er gesehen hatte. Hätte er mit ihr sprechen sollen? Wuste sie gar, um seine Verfehlungen, naja, nennen wir es lieber “Unkorrektheiten”, zu denen er sich am nächsten Tag gezwungen fühlte. Wirklich gezwungen? Ein profitabler Zwang, in der Tat, war es gewesen, wenn auch einige darunter zu leiden hatten. Aber was soll`s, Geschäft ist Geschäft, beruhigte er sich. Aber was sollten diese Gedanken jetzt, wo er sich auf sein Referat konzentrieren musste, dass er mit routinierte Geste aus seiner Tasche zog und auf das Pult legte. Den Anfang würde frei sprechen, das wirkt persönlicher, wusste er aus Erfahrung, erst beim Faktenteil brauchte er das Manuskript, das aber zur Sicherheit groß geschrieben vor ihm lag.

      Nach einer konventionellen Bla-Bla-Lob-Lob-Einleitung, über die er noch im Hotel gebrütet hatte, sollte er nun langsam zu den Fakten kommen. Es war ihm nicht entgangen, dass einige seiner Hörer auf ihre Uhr schauten, mancher gar an seinem Handy spielte. Er blickte auf sein Script, wann er das Zeichen geben musste für die erste Folie. Er schaute nochmal und noch einmal … auf den Seiten waren diese Bilder ausgedruckt, die er gesehen, die diese Geheimnisvolle auf ihrem Netbook abgespeichert hatte.
      Zitternd trank er einen Schluck, das konnte doch nicht wahr sein! Er stierte auf sein Blatt und ihm schien, dass sich diese Bilder in Kunst verwandelten, Kunst, die er unrechtmäßig erworben hatte und diese Nacht mit der attraktiven Hehlerin. Nein! Er riss sich zusammen.

      Da erhob sich eine Frau aus dem Auditorium: “Könnten Sie bitte, über Ihre Aktivitäten in Lettland berichten? Ich glaube einige meiner Kollegen und Kollginnen sind daran sehr interessiert?” Dass sie noch nach dem Fortschritt seines Projektes fragte, hörte er nicht mehr, er bekam auch nicht den jungen Notarzt mit, dessen erster Fall eines Herzinfarktes er war.

      Copyright Klausbernd Vollmar

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  5. Guten Abend, liebe Dina🙂

    eine faszinierende Collage … ich hab sie jetzt eine Weile auf mich wirken lassen und die Assoziationen waren: ein kühler, feuchter Winterabend, frühe Dunkelheit, aber das Licht wehrt sich gegen das Dunkel und zwar mittels Bewegung .. “on the road”, unterwegs durch den Winter, geradewegs aufs Frühjahr zu – und selbst in der dunkelsten Jahreszeit bleibt das Licht lebendig! Das hat etwas ungemein Tröstliches🙂

    Viele liebe Abendgrüße zu Euch, und einen Nasenstubser vom Lisa-Monsterchen, das bei den Sommertemperaturen am liebsten entweder so abhängt, oder sich im Wasser abkühlt🙂

    Ocean

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