Memoires of a Drop of Water

in Norway by euredurchlaucht and Klausbernd Vollmar

© euredurchlaucht

Einst ruhte ich im Mutterbauch des Sees, in dem die Bäume selbstverliebt sich spiegelten. Träumend im seeligen Schlummer von Wolken so hoch und weiß, bemerkte ich nicht, wie die heiße Sonne mich erhob, um mich unsanft bei meinen quirlingen Geschwistern abzusetzen. So floss ich dahin. Ruhelos Tag und Nacht gingen wir auf eine unfreiwillige Reise, wurden vom strengen Ufer bewacht, auf dass wir in die rechte Richtung zögen. Wir lernten, böse Steine zu umfließen, uns anzupassen, uns zu verbinden zu großer Kraft.
Wir waren eine Attraktion!
“Das muss ich unbedingt fotografieren”, hörten wir fast täglich, ohne uns weiter darum zu kümmern.

© euredurchlaucht

Nur ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit und ich wurde, diesmal ziemlich genervt, als einzelner Tropfen von meinen lieben Geschwistern getrennt. Ein Paar kam des Wegs. Sie fotografierte mich, er nannte mich eine Monade.
“Monade”, dieses Wort gefiel mir derart, dass ich es mir einprägte. Er erwähnte auch noch Leibniz – ein schwereres Wort. Meine Mittropfen erklärten, das sei ein Keks.

© euredurchlaucht

“Monade, Leibniz, Keks”, murmelte ich ständig vor mich hin. So stark versuchte ich all das zu behalten, dass ich all meine Spannung verlor.
Hilfe!
Ich geriet aus der Form, taumelte und fiel. Stürzte in den Mahlstrom des rasenden Wassers.
Und nun geschah etwas, dass ich mir bis heute noch nicht erklären kann. Haben Sie da eine Idee? Ich wurde von der Masse einfach mitgerissen. Mit Angstlust ließ ich mich fallen. Doch war da nicht aus meinem tiefsten Wasserwesen ein Widerstand gegen diese Orgie?

© euredurchlaucht

Als ob Wünschen nützen würde, wurde ich herausgeschleudert, um endlich auf einem Blatt ausruhen zu können. Aber wer spricht denn hier von “ausruhen”? Nun fing der Ärger erst richtig an. Wie sollte ich mich hier halten? Können Sie mir das sagen?
“Was? Haltlos”, sagen Sie.
“Rüpel!”, antworte ich. “Wenn Sie so weitermachen, spiegele ich sie gnadenlos wider!”
Und was hörte ich da?
“Ach, mein Schatz, ist das nicht schön? Soll ich ein Foto machen?”
Dann klickte es.

© euredurchlaucht

Diesmal half mir die Sonne. Gnädig entführte sie mich in ihr weißes Wolkenbett. Wir flogen höher und höher, weiter und weiter, bis ich erkaltete, aus dem Bett fiel und weg war ich.
Aber, wo bin ich denn nun wieder gelandet? Die Tropfengemeinschaft der Wellen nannte diese Versammlung Meinesgleichen “Mehr” – es waren ja auch sehr viele.
Die Masse, dieses Mehr, war mir ungewohnt, wie sie ständig kreisend vor und zurückging. Ich wäre lieber an einer Stelle geblieben, müssen Sie wissen.
“Hat man denn nirgendwo seine Ruhe?”, frage ich Sie.

© euredurchlaucht

Inzwischen gewohnt war ich dieses Klicken des Kastens vor den Augen der Menschen.
“Schau mal, ist das nicht ein schönes Foto geworden?”
Aber mit zunehmenden Alter wissen wir um unsere Schönheit, die wir dem Edlen nur offenbaren, da er uns erhöht.

Copyright Fotos: euredurchlaucht
Copyright Text: Klausbernd Vollmar

37 thoughts

    • Hmm, der Anstalt gerade entronnen, wird er es uns vielleicht bald erklären können…

      Der edle Mensch bedarf kein (äußere) Schönheit um edel zu sein. er hat die innere Seelenschönheit die ihn erhebt?
      Wenn äußre Schönheit vergleichbar mit einem Abdruck der inneren Schönheit der Seele ist, fasst sie auch das Edle in sich und sollte es ihrer Natur nach eigentlich stets in sich fassen. Nur, die edle innere Schönheit, die uns erhöht/erhebt, kann nicht nachgeahmt werden, die muss sich stets herausbilden, das ist das Erhebende. ?

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    • Wasser enthüllt seine Schönheit dem Edlken (Fotografen), um durch dessen Kunst erhöht zu werden. Die Natur ironisiert sich selbst, indem sie sich durch Kunst erhöht fühlt. Aber der Edle, der Künstler, muss die Schönheit auch sehen – dieses Assoziationsfeld wollte ich damit anregen.
      Verstanden?

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    • Thank you Phil! Yes, Norway ist indeed a natural beauty. I am really priviliged to spend so much time in outstanding beautiful countries and landscapes like Germany, Norway and Norfolk, UK. Your natural hometown scenery ist spectacular too.
      Love Dina

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  1. bei den ersten beiden Bilder denke ich gleich sehnsüchtigst an Skandinavien, der Wasserfall lässt mich mit offenem Mund eine kleine Weile staunen, das Meer im Morgenlicht, zwei Fischkutter am Horizont, das Leben kann doch einfach sein, einfach schön…

    Wassertropfen auf Reise

    ja es fließen Text und Bilder miteinander, aber den letzten Satz verstehe ich auch nicht.

    Butterkeks aus Leibniz🙂

    Schmunzelgrüße und das Danke an Euredurchlaucht, an Klausbernd und Dina wird auch heute nicht vergessen
    herzlichst
    Frau Blau
    allen ein geruhsames Wochenende

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    • Vielen lieben Dank, liebe Frau Blau,
      herzlichen Dank für deinen Kommentar, auch dir im blauschwarzen Walde ein schönes Wochenende!🙂
      Dina

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  2. Besten Dank für die Veröffentlichung und die wunderbare Textuntermalung! Dass Du, Klausbernd, einen Wassertropfen auf seiner unfreiwilligen Reise begleitet hast, war eine sehr gute Idee. Und endlich weiß ich, dass selbst Limonade eine Seele besitzt…😉

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    • The years I have lived in New England I quite often had this feeling being in Scandinavia – it`s due to the last ice age that both landscapes look alike.
      Greetings from Berlin
      Klausbernd

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  3. Der Kreislauf des Wasser toll zusammengefasst. In Wort und BIld hervorragend dargestellt.
    Ich mag Tropfenbilder, so ähnliche habe ich auch schon “geschossen”. 🙂

    Liebe Grüße, Szintilla

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  4. Schön, die Perspektive des Tropfens, die Bilder ebenso. Nun muss ich über den letzten Satz (der ja der erste war) nicht mehr nachgrübeln, da du ihn ja im Kommentar erklärt hast, danke.

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  5. … ein Genuss für die Augen und den Geist🙂

    Und das Wort “Angstlust” fasziniert mich gerade sehr, da kann ich ganz viel herausfühlen …

    Euch ganz liebe Grüße, und ich schau die anderen Beiträge noch separat an .. sonst geht das Einzelne unter, und das wär schade ..

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